Kirchengeschichte

Die St.-Petri-Kirche in Wörlitz

Die Wörlitzer St.-Petri-Kirche wurde im Jahr 1201 als romanische Kirche errichtet. Unter Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) erhielt sie zwischen 1804 und 1809 ihre heutige neogotische Gestalt mit Querschiff und neuem Turm.


Die Anfänge

Bereits um 1160 gab Albrecht der Bär, askanischer Markgraf von Brandenburg, den Auftrag zum Bau einer steinernen Kirche. Vermutlich stand zuvor an gleicher Stelle eine Holzkirche.

Nach seinem Tod übernahm sein Sohn, Fürst Bernhard von Sachsen, die Bauherrschaft und ließ die Kirche im romanischen Stil vollenden.

Am 1. Weihnachtsfeiertag 1201 wurde die Kirche durch Bischof Norbert von Brandenburg im Auftrag von Papst Cölestin III. geweiht. Die Bauzeit lag zwischen 1196 und 1201.


Spuren der romanischen Zeit

Aus der Entstehungszeit sind bis heute erhalten:

  • die Grundmauern bis zur Fensterhöhe
  • der Triumphbogen
  • das Südportal mit zwei romanischen Säulen
  • das Gewölbe des Westausgangs
  • historische Bodenfliesen
  • der Sakramentenschrein (heute in Altarnähe)

Im Mittelalter blieb die Kirche weitgehend unverändert und wurde weder durch Blitzschlag noch durch Kriegszerstörungen beschädigt.


Reformation und Epitaphien

Aus dem 16. Jahrhundert stammen vier Epitaphien – Erinnerungsmale für verstorbene Bürger, die die Kirche großzügig unterstützten. Zwei weitere wurden später durch Fürst Franz von Anhalt-Dessau nach Wörlitz gebracht.

Bereits 1526 bekannte sich Fürst Wolfgang von Anhalt zur Reformation. Dadurch war es möglich, dass Martin Luther 1532 in der Wörlitzer Kirche predigte.

1538 hielt er hier erneut einen Gottesdienst – „vor sieben Bauern und zwei alten Weiblein“.


Der Umbau zur neogotischen Kirche

Als Bauwerk im Dessau-Wörlitzer Gartenreich steht die St.-Petri-Kirche im Zusammenhang mit den Ideen der Aufklärung, die diese Landschaft geprägt haben.

Fürst Leopold Friedrich Franz, der Schöpfer des Wörlitzer Parks, ließ sich auf Reisen durch Europa – besonders durch England – inspirieren.

Zwischen 1804 und 1809 wurde die Kirche im Stil der englischen Tudorgotik umgebaut. Verantwortlich war der Baurat Hesekiel.

Dabei entstanden:

  • das Querschiff
  • der 66 Meter hohe Turm
  • Emporen und Fürstenloge
  • Orgelprospekt und Fußboden

Ausstattung und Kunstwerke

Viele Elemente der Innenausstattung stammen aus dieser Umbauzeit:

  • Altar – Geschenk eines italienischen Fürsten
  • Kanzel (1808) – gefertigt von Friedrich Naumann aus Birnbaum, Schwarzpappel, Taxus und Eiche
  • Holzkonstruktion – Pfeiler aus Eiche und Eibe, Emporen aus Kiefer

Die Gemälde „Taufe Christi“ und „Abendmahl“ wurden 1811/1812 von den Brüdern Ferdinand und Heinrich Olivier geschaffen.

Das Gestühl unter der Fürstenloge war den Kirchenältesten vorbehalten. Die heutigen Kirchenbänke stammen hingegen aus anderen Kirchen in Aken (Mitte) und Horstdorf (Seiten).

Die Orgel

Im Jahr 1900 erhielt die Kirche eine Orgel aus der Werkstatt Rühlmann & Sohn in Zörbig.

Sie verfügt über:

  • 14 Register
  • 2 Manuale und 1 Pedal
  • etwa 1.000 Pfeifen

Neben Lippenpfeifen sind auch Zungenpfeifen verbaut, wie sie eher aus französischen Kirchen bekannt sind.


Restaurierungen und Funde

  • 1985/86: Innenrestaurierung durch Handwerker und Helfer aus Wörlitz und Umgebung
  • 1991/92: Neueindeckung des Daches

Beim Öffnen des Turmknopfes wurden historische Dokumente entdeckt, darunter Münzen, Handwerkersprüche, ein Dessauer Theaterprogramm sowie Aufzeichnungen des Dichters Friedrich von Matthisson.


Ein Bild von unserer Kirche können Sie sich selbst mit unserem virtuellen Rundgang durch das Gotteshaus machen.

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